Blut: Polyglobulie, -zythämie und Agranulozytose, Exkurs Zyanose und Kohlenmonoxid, Begleittext 52

Hallo und herzlich willkommen zu Folge 52.


Letzte Woche haben wir das Thema Anämie abgeschlossen. Wir haben alle Formen durchgesprochen, wann zu wenig vorhanden ist an Hämoglobin, Hämatokrit oder Erythrozyten. Heute lernen wir Erkrankungen kennen, bei denen die Erythrozyten sogar zu viel sein können oder bei denen die Anzahl anderer Blutzellen aus dem Lot geraten ist.


Termin für das nächste Meeting:

Vorher noch ganz kurz ein Hinweis: Am Montag, 05. September, 18 Uhr ist unser nächstes Online-Meeting, in dem du all deine Fragen loswerden kannst.

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Kurzwiederholung

So, nun aber zur Kurzwiederholung


Was haben die renale, hämolytische und aplastische Anämie gemeinsam?

Wo liegt die Ursache bei der renalen Anämie?

Welche korpuskulären Formen der hämolytischen Anämie fallen dir ein? Oder anders ausgedrückt: bei welchen Erkrankungen sind die Erythrozyten in ihrer Form bzw. Struktur so verändert, dass sie frühzeitig abgebaut werden?

Welche Menschen leiden besonders häufig an Sichelzellanämie?

Nenne 5 Gruppen von Ursachen und am besten noch jeweils ein Beispiel dazu, die extrakorpuskulär, also ohne, dass es an Form oder Struktur der Erys liegt, zu einer hämolytischen Anämie führen.

Wer kann sich zur Blutbildungsstätte wandeln, wenn das Knochenmark mit der Produktion neuer Erythrozyten überfordert ist?

Warum sind Menschen mit einer hämolytischen Anämie besonders gefährdet, Gallensteine zu bekommen?

Was ist eine Splenektomie und wann wird sie durchgeführt?

Ein bisschen Verknüpfungswissen: Falls du fortgeschritten bist, was muss nach einer Milzentfernung beachtet werden?

Welche Symptome treten bei der aplastischen Anämie auf?


Nun noch zu den Blutgruppen. Ich hatte ja bei Instagram eine Wiederholungsfrage dazu gestellt. Bei den Antworten auf diese Frage habe ich festgestellt, dass das Thema noch nicht bei allen so klar ist. Falls etwas unverständlich war, meld dich bitte bei mir, dann versuche ich, es verständlicher zu machen. Aber vielleicht hilft dir auch schon Folgendes.

Also, noch eine Frage zur Verständnisüberprüfung und eine ausführliche Antwort, um die Zusammenhänge noch einmal zu verdeutlichen:



Warum gilt Blutgruppe AB als Universalempfänger?

Haben die meisten Menschen einen Rhesusfaktor oder nicht?

Wann kommt es zu Problemen?

Gut, ich hab keine Fragen mehr, falls du noch welche hast, meld dich gerne oder lass uns am Montag darüber ausführlich sprechen.



 




Kommen wir zu weiteren Erkrankungen des Blutes. Zunächst schauen wir uns die an, wo es ein Zuviel an Erythrozyten geben kann. Falls du fortgeschritten bist:

Welche fallen dir ein?



Erythrozytose (= Polyglobulie)

Beginnen wir mit der Erythrozytose. Diese Erkrankung wird auch Polyglobulie genannt, also viele (=poly) Kugeln (=globuli), wobei die Erythrozyten ja eigentlich Scheiben sind. Aber gut, nehmen wir es mal so hin. Eine mögliche Definition haben wir somit schon gefunden.


Definition:

Bei der Erythrozytose kommt es zu einer erhöhten Anzahl an Erythrozyten, die mit einer Erhöhung des Hämoglobins und des Hämatokrits einhergeht.


Ha, da können wir doch gleich mal dein Zahlengedächtnis überprüfen.



Ab wann würde man dann von einer Polyglobulie sprechen?

Ursachen:

Was meinst du, wann sieht sich der Organismus in der Pflicht, mehr Erythrozyten zu produzieren? Wenn du an die Hauptaufgabe der Erys denkst, ist es sonnenklar. Sie sind dazu da, um Sauerstoff zu transportieren (und natürlich auch Kohlendioxid). Wenn also ein Sauerstoffmangel im Blut vorherrscht, v. a. bei schweren Herz-Lungen-Erkrankungen, produziert das Knochenmark mehr Erythrozyten. Das passiert übrigens auch bei einem längeren Aufenthalt in großen Höhen, da dort das Sauerstoffangebot in der Einatemluft verringert ist. Dies wird von Sportlern oft als Training genutzt. Mit mehr Erys haben sie dann beim Wettkampf mehr Sauerstoff zur Verfügung, so dass die Muskeln nur so jauchzen 😉

Weitere Ursachen neben Herz-Lungen-Erkrankungen können sein:

- Medikamente wie Kortison

- Starkes Rauchen

- Nierenerkrankungen, bei denen die Niere vermehrt EPO produziert. Dies kann ein Tumor sein oder auch ein paraneoplastisches Syndrom.

- Toxine wie Blausäure und Kohlenmonoxid



 

Kohlenmonoxid

Hierzu ein kleiner Ausflug, da das gar nicht so selten in Prüfungen gefragt wird.

Was macht Kohlenmonoxid so gefährlich, was hat es mit den Erythrozyten zu tun und wo kommt es vor?

Kohlenmonoxid ist unsichtbar, un-riechbar und un-schmeckbar. Trotzdem kann schon eine geringe Konzentration Kohlenmonoxid im Blut dazu führen, dass der Sauerstofftransport behindert wird. Wie? Nehmen wir einen bildhaften Vergleich. Stell dir vor, die Erythrozyten sind das Taxi, das vor dem Club steht. Es befinden sich 3 freie Passagierplätze in dem Taxi. Der Sauerstoffdamen möchten sich gerne nach Hause bringen lassen. Um die Ecke kommen aber 2 Kohlenmonoxidtypen, die viel schneller im Taxis sitzen. Was passiert ist dir klar. Und nun nochmal in die Fachsprache übersetzt: Kohlenmonoxid besetzt die Sauerstoffbindungsstelle von Hämoglobin, und zwar mit einer 250-fach stärkeren Affinität als Sauerstoff. Somit kann nicht so viel Sauerstoff transportiert werden.


Im schlimmsten Fall kommt es zur Kohlenmonoxid-Vergiftung mit folgenden Symptomen:

- Schwindel, Kopfschmerzen, Benommenheit, Herzrhythmusstörungen, Desorientierung, Bewusstseinsstörungen, Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod innerhalb von Stunden

- Typisch ist eine kirschrote Hautfarbe


Ursachen oder: Wen kann es treffen?

Kohlenmonoxid entsteht bei unvollständiger Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen. Deshalb ist es besonders gefährlich, sich in nicht ausreichend belüfteten Räumen aufzuhalten, wo beispielweise Autoabgase die Luft verpesten (das war vor allem früher ein Problem, vor den Modernen Filteranlagen der Auspuffanlagen), in denen mit Holzkohle gegrillt wird oder - was viel häufiger der Fall ist – wo Wasserpfeifen geraucht werden. Dies ist übrigens die typische Prüfungsfrage, also bei einer Shisha-Bar-Situation immer Kohlenmonoxid im Hinterkopf haben.

Raucher leiden unter anderem deshalb an permanentem Sauerstoffmangel, weil bei ihnen statt 1% wie beim Nichtraucher ca. 10% des Hämoglobins mit Kohlenmonoxid belegt sind.



 


OK, zurück zur


Polyglobulie und deren Symptome

Leitsymptom ist neben den Symptomen der Grunderkrankung eine zyanotische Verfärbung der Haut.


Diagnose

Im Blut findet man die erhöhte Anzahl an Erythrozyten, des Hämatokrits und des Hämoglobins. Außerdem ist die BSG verlangsamt. Überleg mal, wieso. Weil sich mehr Erythrozyten stärker am Sinken behindern.


Therapie

Die Grunderkrankung bzw. Ursache muss behandelt werden. Wenn kein Sauerstoffmangel besteht, stellt der Aderlass eine gute Therapiemöglichkeit dar.



 

Polyzythämia vera


Neben der Polyglobulie, bei der nur die Anzahl der Erythrozyten erhöht ist, gibt es die Polyzythämia vera.


Definition:

Bei der Polyzythämie kommt es zu einer Vermehrung (=poly) aller Zellen (=zyt) im Blut (=ämie), also der Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten. Aufgrund der zahlreichen Komplikationen handelt es sich unbehandelt um eine lebensbedrohliche Erkrankung.


Ursache:

In 98% der Fälle findet man bei den Patienten eine Genmutation, durch die die Aktivität eines bestimmten Enzyms gesteigert ist. Dies führt zu einer gesteigerten Hämatopoese, unabhängig von Erythropoetin. Dabei sind alle drei myeloischen Zellreihen betroffen. Welche sind das nochmal? Drück auf Pause und überlege. Es sind die Erythrozyten, die Granulozyten und die Thrombozyten. Falls dir das nun spanisch vorkommt, hör nochmal in die Folgen 45 und 46 rein oder lies dazu die Begleittexte auf der Homepage.

Liegt keine Genmutation vor, bleibt die Ursache unbekannt.


Symptome und Komplikationen:

  • Durch die vermehrte Blutfülle – auch Plethora genannt, kommt es zu einem geröteten Gesicht und blau-rot zyanotischen Lippen. Die verschiedenen Arten von Zyanose schauen wir uns gleich gesondert nochmal an. Außerdem kann es so aussehen, als ob derjenige eine Bindehautentzündung hätte, was man dann Pseudokonjunktivitis nennt.

  • Durch die vermehrte Zellanzahl wird das Blut zähflüssiger, es neigt dazu, zu verklumpen, also Thromben zu bilden. Die Gefahr für Thromben oder Embolien ist erhöht. Überleg mal bitte, zu welchen Komplikationen das führen kann: tiefe Beinvenenthrombose, akute periphere Verschlüsse , Lungenembolie, Herzinfarkt und ischämischer Schlaganfall. Außerdem ist die Mikrozirkulation gestört, was zu Missempfindungen führen kann.

  • Es gibt hier eine besondere Komplikation, das sogenannte Budd-Chiari-Syndrom. Hierbei kommt es zum thrombotischen Verschluss der Vena hepatica, also der großen Lebervene mit der Folge Pfortaderstau, Hepatitis bis Leberzirrhose

  • Trotz der erhöhten Gerinnungsneigung kann es zu vermehrten Blutungen kommen durch nicht richtig funktionierende Thrombozyten.

  • Weitere Symptome sind Bluthochdruck und die Symptome, die auch bei Bluthochdruck auftreten können, also Ohrgeräusche, Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen

  • Eine Besonderheit ist der Juckreiz, v. a. nach dem heißen Duschen oder Baden. Na, bei welcher Erkrankung wäre das noch typisch? Bei Morbus Hodgkin


Diagnose:

Im Blut Erhöhung der Blutzellen, erhöhtes Hämoglobin und Hämatokrit, verminderte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit

Wenn der Verdacht auf Polyzythämia vera besteht, werden Knochenmarkzellen untersucht im Hinblick auf die gesteigerte Hämatopoese.


Therapie:

Empfohlen werden regelmäßige Aderlässe, und zwar 1-2-mal pro Woche, bis der Hämatokrit unter 45% liegt

Gabe von ASS, um die Thrombozytenaggregation zu verhindern

Medikamente, die die Zellzahl reduzieren



 


Zyanose

Wo wir jetzt so viel über Sauerstoffdefizit und Erythrozyten gesprochen haben, wollen wir mal kurz noch auf das Thema Zyanose eingehen. Wir haben es beim Thema Herz schonmal besprochen. An dieser Stelle wiederholen wir also und ergänzen um die Zyanose bei Polyzythämie.


Also, drück mal auf Pause und erkläre, worum es bei Zyanose dabei handelt, welche Arten es gibt und wie man diese unterscheiden kann.


Bei der Zyanose handelt es sich um eine Veränderung der Hautfarbe von blass über livide bis bläulich-violett, je nach Sauerstoffmangel.

Wir sprechen nicht umsonst von Hämoglobin als Blutfarbstoff. Je nachdem, wie gut es mit Sauerstoff beladen ist, ändert es seine Farbe und somit die des Blutes. Hämoglobin, das gut mit Sauerstoff gefüllt ist, ist hellrot. Wenn es aber sauerstoffarm ist, ist es dunkel und führt so zu einer bläulichen Hautverfärbung, der Zyanose.


Hiervon gibt es zwei Arten - die periphere und die zentrale Zyanose. Bei der zentralen Zyanose sind bereits die herznahen arteriellen Gefäße nicht gut mit Sauerstoff versorgt, da das Blut in der Lunge nicht ausreichend oxygeniert wurde. Ursache dafür könnte z. B. eine Lungenerkrankung wie COPD oder auch eine Linksherzinsuffizienz sein, bei der das Blut in die Lunge zurückstaut. Bei der peripheren Zyanose sind die herzfernen Gefäße betroffen, weil der Sauerstoff bis dahin bereits aufgebraucht wurde oder durch Kälte oder Linksherzinsuffizienz zu wenig Durchblutung in der Peripherie stattfindet.


Bei der Polyzythämia vera hat die zyanotische Verfärbung der Lippen eine andere Pathogenese. Es liegt so viel Hämoglobin vor, dass die Lunge es nicht ausreichend oxygenieren kann. Wer die Zahlen dazu wissen möchte: Ab 18 g Hämoglobin pro Deziliter Blut reicht die Arbeitskapazität der Lunge nicht mehr aus. Ab 5 g desoxygeniertem Hämoglobin zeigt es sich an der bläulichen Verfärbung, am deutlichsten an den Lippen.



 


So, nun schauen wir uns noch ein weiteres Krankheitsbild an, dann können wir in der nächsten Folge mit den Leukämien starten. Also, machen wir noch kurz die


Agranulozytose


Definition:

Bei der Agranulozytose sind platt übersetzt die Granulozyten weg, dafür steht das A am Anfang. Also nochmal auf schön: Bei der Agranulozytose kommt es zu einem starken Rückgang der Granulozyten auf unter 500 pro µl Blut, entweder akut oder über längere Zeit.


Ursache:

Eine Ursache kennst du bereits – die aplastische Anämie. Aber auch andere Störungen auf Knochenmarkebene können zur Verminderung der Granulozyten führen.

Außerdem gibt es die sogenannte medikamenteninduzierte Agranulozytose. Es handelt sich um eine Allergie vom Typ II. Medikamente wie NSAR, Antibiotika oder Thyreostatika können zu einer Antikörperbildung führen, die letztlich das Komplementsystem veranlassen, die Granulozyten zu zerstören. Diese Reaktion läuft innerhalb von Minuten bis Stunden ab, es geht also verdammt schnell, bis sich die ersten Symptome zeigen.


Symptome:

Die Trias der Agranulozytose ist:

Entzündung der Mundschleimheut, Halsschmerzen und hohes Fieber. Das kannst du dir sehr gut erklären, wenn du weißt, dass die Granulozyten die sind, die das erste Bollwerk an den Körperöffnungen bilden. Außerdem kommt es zu Infektionen durch opportunistische Erreger, wie z. B. Clostridien.


Diagnose:

Im Blut zählt man die viel zu wenigen Granulozyten.


Therapie:

Beseitigung der Ursache, also z. B. Absetzen des Medikaments.


Ich finde das ganz schön krass, was wir alles so lernen. Geht es dir auch so, dass du zweimal überlegst, ob du dies oder jenes überhaupt einnehmen kannst? Ich hab noch nie schnell Medikamente genommen, aber manchmal muss es doch sein. Und dann weißt du um diese Nebenwirkungen, ui ui ui.


Gut, dann wollen wir es heute mal damit belassen.

Denk an die Sommer Special Preise und das Meeting am Montag um 18 Uhr. Ich freu mich schon total darauf, euch wiederzusehen und auf unseren gemeinsamen Austausch. Und ich bin gespannt auf die Themen, die dieses Mal auf den Tisch kommen.


Außerdem freu ich mich über dein Feedback, wenn du den Podcast weiterempfiehlst und natürlich freue ich mich auf neue Coachis und Unterstützer.


Falls du mehr davon möchtest,

unterstütze mich gerne auf Steady :-)





In diesem Sinne wünsche ich dir viel Spaß beim Wiederholen,

bis übernächste Woche zu den Leukämien

oder – wenn du Unterstützer bist – bis nächste Woche zur nächsten Exklusiv-Folge zu den Infektionskrankheiten.


Bis dahin hab eine schöne Zeit,

Tschüss






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