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Blut - Zusammensetzung und Blutbildung - Begleittext zu Folge 45



Hallo und herzlich Willkommen zu Folge 45 auf unserer Reise. Wir beginnen mit einem neuen Kapitel, dem Kapitel Blut. Heute werden wir uns erstmal der Zusammensetzung widmen und uns die einzelnen Komponenten unseres Lebenssaftes ganz genau anschauen.


Aber zunächst wie immer an dieser Stelle ein großes Dankeschön. Mich haben so viele nette Emails erreicht von den Mitgliedern, die den Podcast auf Steady unterstützen, das ist so schön! Ich kann nicht alle vorlesen, zumindest nicht in dieser Folge. Das würde sonst den Rahmen sprengen. Aber eine sollte zumindest drin sein. Also, Marcus, liest du vor?

"Liebe Tanja,

auf deinen Podcast bin ich über Irene, die in meinem Prüfungsvorbereitungskurs ist, gekommen. Sie hat ihn schon im letzten Jahr entdeckt, kurz nachdem die ersten Folgen entstanden sind.

Ich unterstütze deinen Podcast, weil ich ihn einfach großartig finde und noch viele weitere Folgen hören will. Du bereitest den Stoff gut verständlich auf, gibst umfangreiche Informationen und garnierst das Ganze auch mal mit einem Scherz, was dazu beiträgt, die Dinge im Gedächtnis zu behalten. Ich höre dich meist beim Fahrrad- oder Autofahren, und kann einiges bald mitsprechen J. Es macht Spaß, dir zuzuhören, du hast eine angenehme Stimme und was du sagst ist auch dann noch gut verständlich, wenn man das Thema noch nicht kennt.

Ich freue mich auf viele weitere Folgen, die mich zu einer hoffentlich erfolgreichen Prüfung im Oktober 2023 begleiten!

Du kannst meine Nachricht gern vorlesen.

Viele Grüße aus dem schönen Bremen!

Yngve"


Herzlichen Dank liebe Yngve, es freut mich sehr, dich begleiten zu dürfen.

Und wir dürfen ein neues Mitglied begrüßen: Liebe Simone, herzlich willkommen und lieben Dank, dass du den Podcast unterstützt.


Falls auch du zum Fortbestehen des Podcast beisteuern möchtest, schau gerne auf Steady unter Wissensreise vorbei und such dir dein passendes Paket.


Gut, wir starten. Das Blut, wie könnte man das Blut beschreiben oder was könnte man darüber erzählen? Nun ja, es ist im Prinzip unser Lebenssaft, der vielfältige Aufgaben übernimmt.


Aufgaben des Blutes

Es verbindet all unsere Organe und versorgt sämtliche Zellen mit Nährstoffen und Sauerstoff. Es dient als Transportweg für Botenstoffe, also Hormone, für unsere Blutzellen und damit auch die Abwehrzellen. Auch der umgekehrte Weg darf nicht vergessen werden: aus den Zellen werden Abfallstoffe und CO2 abtransportiert, auch Giftstoffe werden zu Leber und Nieren gebracht, um im besten Falle von dort ausgeschieden zu werden. Und da das Blut bis in die kleinsten Ecken der Peripherie fließt, bringt es auch die Wärme dorthin, zumindest wenn alles ordentlich funktioniert. Außerdem ist es beteiligt an der Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichtes und es hat die wichtige Funktion der Hämostase, also der Blutstillung und Blutgerinnung.

Na, kannst du nun auf Pause drücken und 4 Aufgaben des Blutes wiederholen?

- Transportfunktion - Hämostase - Immunabwehr und - Regulation des Säure-Basen-Haushalts

Gut, zu der ein oder anderen Aufgabe werden wir nochmal kommen. Jetzt schauen wir uns aber erstmal ein paar Fakten über das Blut an.


Zusammensetzung des Blutes - Blutplasma


Blut ist zusammengesetzt aus Plasma und Zellen. Mit Plasma bezeichnet man die Flüssigkeit, also den Teil ohne Zellen. Es macht ungefähr 55% des Gesamtblutvolumens aus.


Apropos Gesamtblutvolumen: Erinnerst du dich, von wie viel Litern wir hier ungefähr sprechen? Wir hatten das schonmal in Folge 11 zur Herzphysiologie angeschnitten. Es sind ca. 5 – 6 Liter. Der Anteil an Blutplasma beträgt also ca. 3 Liter.


Was denkst du ist der Hauptbestandteil von Plasma? Zu 90% beinhaltet das Plasma Wasser, die restlichen 10 % bestehen zum großen Teil aus Bluteiweißen, in Fachsprache Plasmaproteinen. Diese machen ca. 7-8 % aus. Hierzu zählen allen voran Albumin, was ein wichtiges Transportprotein ist und zur Aufrechterhaltung des onkotischen beziehungsweise kolloidosmotischen Druckes dient. Außerdem gehören Globuline dazu und Fibrinogen. Da in Plasma Fibrinogen enthalten ist, ist Blutplasma gerinnbar. Wenn Fibrinogen entfernt wird bzw. inaktiviert wird, dann ist die Flüssigkeit ungerinnbar und heißt Blutserum. Meine Merkhilfe ist: SerUm ist Ungerinnbar.


Und falls du es noch genauer wissen möchtest: Plasma und Serum erhält man, wenn man Blut zentrifugiert. Der Unterschied liegt im Ausgangsmaterial: Zentrifugiert man ungeronnenes Blut, setzen sich die festen Bestandteile, also die Blutzellen ab und die Flüssigkeit ist Plasma mit sämtlichen Eiweißen, also auch Fibrinogen. Zentrifugiert man geronnenes Blut, ist Fibrinogen und die Gerinnungsfaktoren bereits verbraucht und übrig bleibt Serum.


Gut, zurück zu den Basics. Die restlichen 2-3 % des Plasmas bestehen aus Nährstoffen, Elektrolyten, Abbaustoffen, Spurenelementen, Vitaminen, Hormonen, Enzymen und den Blutgasen Sauerstoff und Kohlendioxid.


Gehen wir nochmal genauer auf einzelne Bestandteile ein.


Welche drei Nährstoffgruppen kennst du?

Glucose, Aminosäuren und Fette, genau.

Und was sind Beispiele für Elektrolyte?

Bei den Abbaustoffen wird es vielleicht schon schwieriger. Kennst du die auch schon?

Und nun noch die wichtige Gruppe der Proteine, da gibt es etwas mehr zu merken.



Plasmaproteine


Bei den Bluteiweißen handelt es sich um wasserlösliche Proteine, die in fünf Gruppen eingeteilt werden. Diese Gruppen erhält man durch die sogenannte Elektrophorese. Mit Hilfe elektrischer Spannung werden die Plasmaproteine dazu veranlasst, auf einem Trägermaterial je nach Ladung verschieden weit zu wandern, was in der Auswertung eine typische Kurve ergibt. So kann man beispielsweise auch Aussagen treffen über krankhafte Veränderungen.


Falls du fortgeschritten bist, an welche Erkrankung denkst du, wenn die gamma-Globulin Zacke erhöht ist?

Dann könnte ein Multiples Myelom vorliegen.

Und welche Erkrankungen könnten hinter einer niedrigeren Albumin-Zacke stecken?


Wie man sich merken kann, wie hoch die einzelnen Zacken physiologisch sind, machen wir gleich am Ende. Vorher schauen wir, wer zu den fünf Gruppen gehört, jeweils exemplarisch an einigen für uns wichtigen Vertretern.


Bleiben wir direkt bei den Albuminen. Sie machen mit ca. 60 % den größten Teil der Plasmaproteine aus. Da der Anteil so groß ist, sind sie – wie eben schon erwähnt – wichtig zur Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks und sie dienen als Eiweißreserve. Außerdem werden mit ihrer Hilfe freie Fettsäuren, Bilirubin und Kalziumionen transportiert. Albumine sind gerade so groß (70 000 Dalton), dass sie nicht durch die Kapillarwand passen und nur dann austreten, wenn diese verändert sind, zum Beispiel durch eine Entzündung.

Wie wichtig sie für den kolloidosmotischen Druck sind, sieht man an folgendem, traurigen Beispiel: bei Mangelernährung bekommen Kinder häufig sogenannte Hungerbäuche. Während der Stillzeit bekommen sie eiweißreiche Muttermilch. Danach herrscht ein Mangel an Aminosäuren, so dass die Leber weniger Albumine synthetisiert. Also sinkt der kolloidosmotische Druck und Plasma tritt ins Gewebe und die Körperhöhlen aus. So entsteht das typische Bild aus ausgemergeltem Körper und dick erscheinendem Bauch.


Die nächste Gruppe der Plasmaproteine sind die alpha-1-Globuline, wozu zum Beispiel Alpha-1-Antitrypsin und Prothrombin gehören. Prothrombin solltest du auf jeden Fall kennen. Es ist die Vorstufe von Thrombin, spielt also in der Blutgerinnung eine wichtige Rolle. Dazu wird es eine extra Folge geben. Und für die Fortgeschrittenen: Welche Erkrankungen stehen im Zusammenhang mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel? Das Lungenemphysem und Lebererkrankungen.


Wichtige Vertreter der alpha-2-Globuline sind Haptoglobin, Antithrombin und Plasminogen. Haptoglobin ist für die Bindung und den Transport von freiem Hämoglobin zuständig. Bei Antithrombin gilt: Nomen est Omen. Es wirkt also gegen Thromben, sprich: Es ist ein Hemmstoff in der Blutgerinnung. Auch Plasminogen spielt hier eine Rolle: Es ist die Vorstufe von Plasmin, welches Blutgerinnsel abbaut. Manchmal wird es auch Fibrinolysin genannt, was dir vielleicht als zusätzliche Merkhilfe dienen kann. Übrigens erkennst du an der Endung -ogen immer, dass es eine inaktive Vorstufe ist.


Fibrinogen und Transferrin gehören zu den beta-Globulinen. Fibrinogen – was fällt dir hier auf? Genau, die Endung. Es handelt sich um die Vorstufe von Fibrin, den Faktor 1 in der Blutgerinnung. Transferrin kennst du vielleicht schon von einem Blutbild. Transferrin spielt beim Eisenhaushalt eine Rolle. Es transportiert 3-wertiges Eisen.


Die letzte Gruppe der Plasmaproteine bilden die gamma-Globuline. Sie werden als einzige Bluteiweiße nicht in der Leber hergestellt, sondern wo? … Genau, von den Plasmazellen, also von B-Lymphozyten. Falls du schon so weit bist, kennst du die fünf Untergruppen? Immunglobulin M, A, D, G und E. Sie dienen der Immunabwehr.


Angeberwissen ;-)

Das waren die fünf Gruppen der Plasmaproteine. Falls du es noch genauer wissen möchtest. Der Anteil der Gruppen an der Gesamtproteinkonzentration ist leicht zu merken: 60 % Albumine, danach greift die 4er-Regel: 4 % alpha-1, 8 % alpha-2, 12 % beta und 16 % Gamma-Globuline. Fantastisch, oder?


Zusammensetzung des Blutes - Blutzellen


Schauen wir uns als Nächstes die festen Bestandteile des Blutes an.

Kleine Rechenaufgabe: Wenn ca. 55% des Blutvolumens aus Plasma bestehen, wie viel bleibt dann noch für die Zellen? … 45%, ganz genau 😉Das heißt also, knapp die Hälfte unseres Blutvolumens besteht aus Zellen. Wenn man sich mal so eine Wunde betrachtet, denkt man gar nicht darüber nach, also ich zumindest nicht.


Diesen Anteil an Zellen bezeichnet man als Hämatokrit, im Laborbefund abgekürzt als "Hkt" oder "Hk". Strenggenommen und korrekt gibt der Hämatokrit nur den Anteil der roten Blutkörperchen, also der Erythrozyten, am Gesamtvolumen wieder. Da die anderen beiden Bestandteile aber so wenig ausmachen, trennt man oft nicht. Und wenig heißt hier: über 95 % machen die Erythrozyten aus, also nur ca. 1-4 % des Zellvolumens sind Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und Thrombozyten (Blutplättchen).

Der Hämatokrit ist je nach Geschlecht leicht unterschiedlich. Die Norm bei Frauen beträgt ca. 37 – 47 %, bei Männern 40 – 54 %. Diese Werte solltest du für die Prüfung auswendig draufhaben.


Wie wird der Hämatokritwert bestimmt? Das Blut wird zunächst ungerinnbar gemacht, z. B. mit Hilfe von Natriumcitrat, und anschließend zentrifugiert. Unten setzen sich die Erys ab, darüber sieht man einen schmalen weißen Ring, den sogenannten Buffy-Coat. Dieser besteht aus den Leukos und Thrombos. So kann man den Hämatokrit dann in dem graduierten Röhrchen ablesen.


Wir haben nun die drei Vertreter der Blutzellen schon kennengelernt.


Fass doch nochmal zusammen und überleg schonmal, welche Hauptaufgabe sie jeweils haben.

- Rote Blutkörperchen = Erythrozyten: dienen v. a. dem Sauerstofftransport - Weiße Blutkörperchen = Leukozyten: dienen v. a. der Abwehr - Blutplättchen = Thrombozyten: dienen v. a. der Blutstillung


Hämatopoese


Aber woher kommen sie, sprich: wie werden Blutzellen gebildet?

Auch für die Blutbildung gibt es einen Fachausdruck: Hämatopoese.

Sie findet beim Ungeborenen vor allem in Milz und Leber statt, ab dem 5. Entwicklungsmonat nur noch im roten Knochenmark. Dieses rote Knochenmark findet sich in allen platten Knochen, also z. B. auch in den Schädelknochen und dem Hüftbein, aber auch in den Endstücken, den Epiphysen der Röhrenknochen. Bis zur Pubertät sogar noch in den Mittelstücken der Röhrenknochen, dem Knochenschaft oder auch Diaphyse genannt. Nach der Pubertät wird das rote Knochenmark hier in gelbes Fettmark umgewandelt, so dass hier dann keine Blutbildung mehr stattfindet.


OK, wie geht nun diese Hämatopoese von statten?

Hier wieder mal der Hinweis: Falls du noch am Anfang stehst, wird es jetzt etwas komplizierter. Das Verständnis der Hämatopoese ist später wichtig, wenn es um die verschiedenen Erkrankungen des Blutes geht, insbesondere die Leukämien. Deshalb: Hör es dir erstmal an und wiederhole irgendwann die Folge nochmal, wenn du soweit bist.

Alle Blutzellen entstehen aus einer Stammzelle, dem sogenannten Hämozytoblasten. Aus dieser Stammzelle entwickeln sich entweder lymphatische Stammzellen oder myeloische Stammzellen.


Fangen wir mit den etwas einfacheren an. Die Erythrozyten und Thrombozyten gehörten zur myeloischen Reihe.

So kann sich aus der myeloischen Stammzelle zum Beispiel ein Erythroblast (Blast steht immer für die Vorstufe einer Zelle) entwickeln, daraus ein Normoblast. Dieser tritt ins Blut über, stößt seinen Kern ab und wird zum Retikulozyten, also zum jungen Erythrozyten, der dann zum Erythrozyten wird. Die Bildung der roten Blutkörperchen wird entsprechend Erythropoese genannt.

Es könnte aber auch eine Thrombopoese von Statten gehen. Wenn sich aus der myeloischen Stammzelle ein Megakaryoblast entwickelt. Das ist die Vorstufe vom Megakaryozyten, aus dem sich im Blut die Thrombozyten abspalten. Es handelt sich hier nur um Blutplättchen, also auch ohne Kern.


Bei den Leukozyten ist es etwas komplizierter. Je nach Untergruppe entstammen diese der myeloischen oder der lymphatischen Reihe. Man spricht dann von Granulopoese, Monopoese und Lymphopoese. Wir schauen uns das konkret nochmal beim jeweiligen Zelltyp an.


Aber grob kannst du dir an dieser Stelle schonmal merken: Alle Blutzellen entstammen einer einzigen Stammzelle, dem Hämozytoblasten, und werden nach der Geburt im roten Knochenmark produziert.

Und zur Vollständigkeit: Manchmal kann auch nach der Geburt die Milz oder sogar die Leber nochmal zur Blutbildungsstätte werden, wenn das Knochenmark aus irgendwelchen Gründen nicht hinterherkommt.


Gut, ich denke, das reicht für heute. Wir hängen noch eine Kurzwiederholung dran. Mal sehen, was bei dir hängen geblieben ist.



Aus welchen Bestandteilen setzt sich Blut zusammen?

Blutzellen und Blutplasma

Wie nennt man den Anteil der Erythrozyten am Gesamtblutvolumen und wie hoch ist er ungefähr?

Welche Aufgaben übernimmt das Blut?

Wo werden Blutzellen gebildet?

Welche Gruppen von Blutweißen fallen dir ein? 5 wären prima 😉

Nenne für jede Gruppe der Globuline ein Beispiel.

Wo werden Bluteiweiße hergestellt?


Sehr schön! Ich bin stolz auf dich, dass du bis zum Ende durchgehalten hast. ;-) Schau mal bei Steady vorbei oder melde dich bei Fragen oder wegen eines Coachings. Ich freue mich über Kommentare, über weitere Unterstützung und auf nächste Woche, wenn wir weiter machen mit dem spannenden Thema Blut.


Bis dahin viel Spaß beim Wiederholen – Tschüss.


Falls du mehr davon möchtest,

unterstütze mich gerne auf Steady :-)






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